Zunächst werden 3 Kisten benötigt, möglichst so groß, dass auch ein A4 Arbeitsmaterial bzw. Spiele hineinpassen. Diese Kisten werden mit 1, 2 und 3 beschriftet und brauchen einen festen Platz, z.B. in einem Regal. Jede Kiste hat ihren fixen Platz in diesem Regal und ein „Platzhalter“ mit der entsprechenden Ziffer wird aufgeklebt.
Zur Einführung befülle ich die Kisten gerne mit dem Lieblingsmaterial des Kindes, damit das Kistensystem auch gut und gerne angenommen wird. Zudem beobachte ich immer wieder, dass am Anfang allein für den Arbeitsablauf relativ viel Energie benötigt wird, so dass für den Inhalt der Kisten nicht mehr viel Energie übrig ist. Solange das Procedere der Kisten also noch nicht gefestigt ist, wähle ich nur einfache Aufgaben.
Zu beachten ist noch, dass jeder Kisteninhalt dem „Fertig-Prinzip“ entspricht. D.h. die Aufgabe muss in sich abgeschlossen sein, und nicht ich als Lehrerin oder das Kind bestimmen, wann eine Aufgabe fertig ist. Geht es z.B. um das Fädeln von Perlen überlege ich mir vorher, wie viele Perlen das Kind schaffen kann/soll und lege diese Anzahl von Perlen in die Kiste hinein.
Praktisch schaut es dann so aus:
Je nach Situation kann man das Kistensystem mit einem Tagesplan verbinden, mit Belohnungen verknüpfen, mehrere Kistendurchgänge pro Tag machen, eine Fertig-Box für erledigte Aufgaben verwenden, statt Kisten mit einem Ablagesystem arbeiten … einfach erfinderisch sein.
Diese, wie auch weitere Anregungen zum Strukturieren basieren auf dem TEACCH Ansatz und können in „Der TEACCH Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus“ nachgelesen werden.
„Ich kann das nicht!“ – „Ich mach das nicht!“
Unendliche Mengen, unlösbare Anforderungen, kein Ende in Sicht, unüberwindbare Hürden auch nur anzufangen … so erleben manche Kinder „normale“ Aufgaben. Vielen Kindern helfen in so einem Fall Aufgaben mit dem Fertig-Prinzip.
Aufgaben mit dem Fertig-Prinzip:
Praxisbeispiel: Ein Rechenblatt voller Aufgaben erschlägt manche Kinder schon beim Anblick. In diesem Fall hilft es, wenn ich das Arbeitsblatt einfach zerschneide und so lauter kleine Aufgabenhappen dem Kind geben kann.
Praxisbeispiel: Ein Puzzle mit 10 Teilen ist fertig, wenn alle 10 Teile an ihrem Platz liegen. Das ist offensichtlich, vorhersehbar und materialimmanent.
Praxisbeispiel: Das Kind soll üben Perlen auf eine Schnur zu fädeln. Ich stelle dem Kind nicht eine Kiste mit Perlen hin, sondern gebe ihm genau die Anzahl an Perlen in eine kleine Dose bei der ich sicher bin, dass es das Kind schafft, diese aufzufädeln.
Der Vorteil dieser Art von Aufgabenstellung ist, dass es ganz viele Erfolgserlebnisse über den Tag verteilt gibt und das Gefühl „Geschafft!“ ganz oft erlebt wird.
Trotz oder gerade weil ich ein Fan von Freiarbeit und offenem Lernen bin, steh ich auf Struktur Noch bevor ich mit Kindern mit ASS gearbeitet habe oder mir TEACCH etwas gesagt hat, hab ich über die Jahre nach Systemen gesucht und rumprobiert, wie ich Kindern, die mehr Unterstützung brauchen, die Lerninhalte anbieten kann. Und zwar so anbieten kann, dass sie möglichst selbstständig Tun können, ohne ständig auf meine Anweisung und Unterstützung angewiesen zu sein. Zum einen, weil ich die Selbstständigkeit der Kinder fördern wollte, aber auch ganz praktisch, weil ich eben nur 2 Hände habe und nicht 6 Kindern mit besonderen Bedürfnissen individuelle Arbeitsangebote gleichzeitig präsentieren kann.
Angefangen hab ich damit, dass ich bestimmten Kindern ihre Aufgaben der Reihe nach auf ein Regal gelegt habe. Wobei Aufgaben durchaus auch ein Puzzle, die Legokiste oder etwas zum Fädeln sein konnten. Die Kids wussten so schon in der Früh, was sie heute erwartet und was ihre Aufgaben sind.
Für Kinder, deren Aufgaben hauptsächlich Arbeitsblätter waren, hab ich jedes Blatt in eine Hülle gepackt, durchnummeriert und auf ihren Platz gelegt.
Deshalb war ich so begeistert, als ich das TEACCH Konzept kennen gelernt habe, da es sich ziemlich genau mit dem deckt, was man selbst erfindet, wenn man Ordnung und Struktur braucht.
birgit.seewald@gmx.at
© All Rights Reserved 2022